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bac à boue oder hol dir eimer runter 
Henrike Binder, David Oelschlägel
























Der immer schnelllebiger werdende Alltag verlangt zunehmend nach flexibleren Essgewohnheiten in Bezug auf die Örtlichkeit sowie ebenfalls auf die Tageszeiten.
Mit dem allgemeinen Lebenswandel ist auch der Prozentsatz an Singlehaushalten beziehungsweise kinderlosen Paarhaushalten gestiegen.
Welchen Stellenwert bekommen das Essen und die Küche in dieser Zeit?
Mit „Bac á boue oder hol dir eimer runter“ist eine Küche entstanden, die sich den veränderten Lebensbedingungen anpasst. Unsere Zielgruppe sind junge und jung gebliebene Menschen, welche vorrangig morgens und abends ihre Mahlzeiten zu Hause einnehmen.


...lass die sau raus…
Der mittig angeordnete Trog übernimmt in unserer Küche eine zentrale Bedeutung, sowie der Esstisch traditionell ein wesentlicher Bestandteil der konventionellen Küche war. Der Trog bildet das Grundgerüst für unsere, je nach Nutzungsanspruch zusammengesetzte Arbeitsfläche. Durch das Auflegen der Brettchen entsteht eine 2etagige Arbeitsfläche, an welcher nach Belieben im Sitzen oder Stehen gearbeitet werden kann. Man kann im Trog Zubereiten, Spülen, Lagern oder auch Verstecken. Der Großteil des Geschehens findet auf den Brettchen statt. Alles was hier nicht mehr gebraucht wird wandert in den Trog. Bei spontanem oder überraschendem Besuch dient der Trog als praktische Abstell- beziehungsweise Verstaumöglichkeit von beispielsweise stehen gebliebenem Abwasch. Oder aber kann man ein Überraschungsmenu für gute Freunde nach und nach aus dem Trog hervorzaubern. Durch das Abdecken mit verschiedenen Brettchen sieht die Küche stets sauber und geräumt aus. Durch die vollständige Abdeckung des Trogs, mittels 5 Aufsätzen, entsteht ein zwei Meter langer Tresen, der auch als Cocktailbar verstanden werden kann.


…lass es brettern…
Die unterschiedlichen Brettchen fungieren bei Nichtgebrauch als Bilder. Durch ihre Funktionszuweisungen werden sie aus ihrem üblichen in einen völlig neuen Kontext gestellt. Sie sind nicht mehr nur zum Schmücken da, sondern zum Gebrauchen. Normalerweise erzählen Bilder Geschichten, in unserer Küche wird dieses Prinzip umgedreht. Erst mit der Auseinandersetzung und dem Gebrauch der Gegenstände entstehen individuelle Geschichten.
„Zeigen statt verstecken!“ Die Präsentation der Funktionsbrettchen hat den weiteren Vorteil, dass sie ungenutzte Wandfläche bespielt wird und ein individuell wandelnder Charakter der Küche entsteht.
So bietet „Bac á boue oder hol dir eimer runter“ einen idealen Raum jeden Tag neu zu variieren und sich spielerisch leicht seinen persönlichen Bedürfnissen anzupassen.


…mach’s dir gemütlich…
Die quer liegende Sitzbank, auf die der Trog auflagert beinhaltet eine „Warme“ wie eine „Kalte“ Seite. Der Kühlbereich ist mit Kühl- und Gefrierschüben, sowie einem Klappfach hinter der Sitzfläche für beispielsweise Getränke versehen. Das Klappfach wird voraussichtlich öfter bedient und hat den Vorteil, dass es energieökologischer ist. Auf der spiegelverkehrten Seite im Wärmebereich ist das Klappfach für das Vorwärmen von Tassen und Tellern vorgesehen.
Im mittleren Schubfach ist eine Backofen- Mikrowellenkombination untergebracht. Der obere und untere Schub sind für die Aufbewahrung von Besteck und Töpfen vorbehalten.
Unter dem Trog befindet sich ein „neutraler Bereich“, bestehend aus einer Steckdosenschublade mit integriertem Radio und darunter einem Auszug für Abfall und Reinigungsmittel.


…hol dir eimer runter…
Ein weiterer Blickfang ist unsere Eimerdecke. Durch eine unkonventionellen Umgangsweise mit Stauraum
wird die ohnehin ungenutzte Decke maßgeblich mit einbezogen und dem Nutzer wird ein neuer Blickwinkel eröffnet. Unsere Gestaltungsmittel sind hierbei die Eimer, die mit praktischen Eigenschaften versehen sind. Sie dienen vorrangig dem Verstauen von lichtverträglichen Lebensmitteln, Geschirrhandtüchern, Vorratsdosen, etc. Es können aber auch Lampen oder elektrische Geräte, wie beispielsweise eine Abzugshaube eingebaut werden. Die Eimerdecke dient als diffuse Lichtquelle, denn dämmriges Licht spricht nachweislich die Sinne an und sorgt für allgemeines Wohlbefinden. Der Einsatz eines transluzenten Materials lässt stets die Silhouette des Eimerinhaltes erkennen und das lästige Suchen hat ein Ende. Das Durchscheinen von Gegenständen hat gleichzeitig eine schöne gestalterische Anmutung. Das Herunterziehen der Eimer funktioniert nach dem Prinzip eines Rollos. Sobald man den Eimer stoppt, bleibt er in Ruhelage und mit einer leichten Zugbewegung wird der Eimer wieder nach oben gezogen.


Trotz mangelndem Platz werden die entscheidenden Faktoren wie Komfort und Gemütlichkeit berücksichtigt und „Bac à boue oder hol dir eimer runter“ erfüllt nicht länger nur rein funktionale Zweckmäßigkeiten, sondern wird zu einem Ort, an dem Menschen interagieren und gemeinsam kreativ sein können.